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Berichte

18. Triple Ultra Triathlon Lensahn, 24.-26.07.2009

 

„Triathlon der besonderen Art..."

 

Mit dem Begriff Triathlon weiß ja inzwischen wohl Jeder was anzufangen; spätestens seit Jan (Frodo) Frodeno Olympiasieger in Peking geworden ist.

Schwimmen, Radfahren und Laufen hört sich eigentlich ganz einfach an. Doch wer sich mal an dieser sehr speziellen Wettkampffolge versucht hat, kann sicher bestätigen, dass es nicht einfach ist. Es kommt nicht nur darauf an, jede der einzelnen Disziplinen gut durchzuführen, sondern nicht umsonst wird „das Wechseln“ als die vierte Disziplin bezeichnet.

Da ist es wichtig, dass zu den jeweiligen Wechseln alles vorbereitet ist. Nichts schlimmer, als wenn nach dem Schwimmen plötzlich festgestellt wird, dass das Rad in der Wechselzone plötzlich einen Platten hat, weil es stark aufgepumpt in der brütenden Sonne stand, oder dass der Chip zur Zeitnahme beim Laufen sich an den anderen Schuhen befindet, die dann hoffentlich noch greifbar sind.

Es gibt neben den Einsteigerdistanzen, wie z.B. 5oo m Schwimmen, 10 km Radfahren und 2 km Laufen, die sog. Olympische Disziplin. Früher wurde sie Kurzdistanz genannt und führt üblicherweise über 1,5 / 40 / 10. Der klassische Ironman, der auf Hawaii entstanden ist, weist 3,8 km (Brandungs-) Schwimmen auf, 180 km Radfahren und zum Schluss 42,195 m, also einen Marathon.

Und dann finden sich noch „die Ultras“.

Diese führen über die doppelte Ironmendistanz, 3-fache, 5-fache, 10-fache und mittlerweile auch 15-fache.

                  (Lensahn, in Nähe zur Ostsee gelegen)

 

In Lensahn, einem etwa 5000-Seelen-Ort in Ostholstein, findet seit 1992 jedes Jahr am letzten Juliwochenende ein solcher Ultra statt. Hier wird die 3-fache Distanz angeboten.

             (Veranstaltungsplakat)

 

Die Besonderheiten liegen auch in den Streckenführungen: mangels Freiwasser wird das Schwimmen über 11,4 km im Waldschwimmbad absolviert, wo die Aktiven 228 Bahnen im 50 m – Becken schwimmen müssen.

                  (Schützenplatz - Wettkampfzentrum)

 

Danach geht es auf die 540 km Radfahren, welche vom Lensahner Schützenplatz, wo sich das Wettkampfzentrum befindet, nach Beschendorf führen und das in 67 Runden à 8,059 km. Die Laufstrecke von 126,6 km wird ebenfalls immer über den Schützenplatz geführt und in 96 Runden mit 1,32 km gelaufen.

              (Freitag 06:55 Uhr, alle sind im Wasser)

 

Dieses Jahr fand sich die Startgruppe von 41 Aktiven aus 11 Nationen pünktlich ab 06:00 Uhr im Freibad ein. Hier wurde um 07:00 Uhr am Freitag, den 24. Juli, gestartet; vorher war Check-in für Fahrräder und Material.

 (Wechselzone mit Aktiven und Helfern, noch vor dem Start)

 

Dieses ist in einer separaten Wechselzone deponiert und kann nur vom Aktiven selbst oder einem Mitglied seiner Crew bzw. Mitgliedern des Orga - Teams betreten werden.

           (Donnerstag 19:00 Uhr: Athletenvorstellung)

 

Maximal 6 Stunden stehen für das Schwimmen zur Verfügung, was aber von allen Startern eingehalten wurde. Nach 3 Stunden und 02 Minuten verließen Harald Oswald aus Österreich und Matej Markovic aus Slowenien „fast zeitgleich“ mit 3 sec. Unterschied ihre Schwimmbahn und eilten zum Wechsel.

Nach und nach kamen alle aus dem Wasser; auch die einzige Frau, Susanne Rau aus Berlin, die an diesem Freitag Geburtstag hatte und vor dem Start den Applaus der Aktiven und des zahlenstarken Publikums bekam.

                    (Die nächste Radrunde ist geschafft)

 

Wie schon erwähnt, befindet sich auf dem Schützenplatz das Wettkampfzentrum. Hier sind die Matten des Champion-Chip-Systems im Einsatz, welche durch Elke und Heinfried Maschmeyer vom ehemaligen Sport-Team aus Drebber mitgebracht und während der Veranstaltung eingesetzt werden.

    (Emmanuel Conreaux und Pascal Jolly aus Frankreich)

 

Jede der Radrunden wird hier drüber gefahren und auch jede Laufrunde führt, in entgegen gesetzter Richtung hier herüber.

                                 (aktuelle Rundenzeiten)

 

In einem PKW war ein großer Fernseher aufgebaut, auf dem die sich selbst aktualisierenden Runden eingesehen werden konnten; außerdem gab es eine große Übersichtstafel, die regelmäßig ergänzt wurde.

        (Stellwände mit Fotos und Zwischen-Ergebnissen)

 

Am Container konnte die berühmte „Touri – Liste“ abgeholt werden, so dass auch die Aktiven unterwegs von ihren Teams unterrichtet wurden, wie sie im Wettkampf lagen.

      (typisches Betreuungszelt an der Lübecker Strasse)

 

Überhaupt die Teams oder Crews. Sie sind die Voraussetzung, dass diese Ausdauerleistung möglich ist. Ohne erfahrene Leute zur Unterstützung geht gar nichts. Es muss ja, je nach Leistung, zwischen ~ 30 Stunden und maximal 58 Stunden betreut, verpflegt, begleitet und seelischer Beistand geleistet werden. Und das Tag und Nacht, bzw. bei Etlichen auch 2 Nächte.

    (Organisations Ehepaar aus Neulengbach / Österreich)

 

Das Wetter in Lensahn war dieses Jahr das große Thema.

Schon am Freitag war zeitweilig heftiger Regen, der sich auch am Samstag fortsetzte, so dass teils vermummt Rad gefahren wurde. So schlimm wie 1994, als ich zum ersten Mal da war, war es allerdings nicht. Damals fuhren Aktive im Neoprenanzug Fahrrad…

   (Matej und "Papa" von Emotionen im Ziel übermannt...)

 

Sonntag, der Schlusstag, machte seinem Namen alle Ehre, auch wenn der Himmel noch einmal kurz grollte. Alles in allem war aber am Abschlusstag das Wetter durchgängig freundlich und viele kurze Hosen, auch bei den Helfern und Zuschauern, waren zu sehen.

                               (so sehen Sieger aus...)

 

Zur Siegerehrung um 18:30 war es immer noch warm und auch später saßen viele der Sportler, Begleiter, Helfer und Zuschauer auf dem Schützenplatz und aßen und tranken noch bis in die Dunkelheit hinein.

                    (Die erste Frau und der erste Mann)

 

Dieses Jahr war ja „nur eine Frau“ anwesend, was jedoch der Würdigung ihrer Leistung keinen Abbruch tut – im Gegenteil:

Susanne Rau aus Berlin vom Triathlon-Team des TuS Neukölln feierte am Freitag ihren 38. Geburtstag und ging den kompletten Wettkampf locker an; nach dem Motto: „ich weiß nicht, was mich erwartet, also los…“

Ihr Freund, Lars König, war ebenfalls im Feld und beide liefen zunächst einige Runde zusammen, bevor sie sich von ihm absetzte und davonzog. Dabei hatte sie immer ein Lächeln auf den Lippen und manch gutes Wort für leidende Mitstreiter und Zuschauer.

Zum Ende hin kam Susanne Rau auf Gesamtplatz 23 in 52:11:57.

Bei den Männern platzierten sich vorne:

1. Markovic, Matej, SLO, 35:15:11

Matej Markovic, ein Neueinsteiger, der im Mai beim Doppelten in Neulengbach in Österreich finishte und im Juni beim Doppelten in Ungarn.

2. Jolly, Pascal, FRA, 38:48:34

3. Conraux, Emmanuel, FRA, 39:15:28

Emmanuel hat viermal diesen Ultra gewonnen !

"geht nicht, gibts nicht":

Unser RUNNERS POINT Kollege Frank Eickmann verdient besondere Aufmerksamkeit bei seinem ersten Triple "aus dem Bauch heraus".

(Running Mobil beim Einsatz im Jahr 2007 in Lensahn)

 

Frank war mehrere Jahre unterwegs, um mit dem großen, silbernen RUNNING Mobil Beratungen, Fußvermessungen, Videoanalysen auf dem Laufband etc. durchzuführen. Dieses Fahrzeug ist ebenfalls bundesweit unterwegs und auch während der Woche oft bei großen Firmen eingesetzt und auch bei Sportveranstaltungen.

In Lensahn hatte er dann mal geäußert (was sagt „man“ nicht so alles in seinem Leben) „das möchte ich auch mal machen!“

Zwischen wollen und vollbringen liegt natürlich noch eine ganze Menge und so begann er, sich auf seinen ersten Triple systematisch vorzubereiten.

Seine bisherigen Vorleistungen waren eher im Bereich der gehobeneren Volksläufer anzusiedeln. Mehrere Marathons, jedoch gemäßigt, um lange Zeit auf den Füßen zu verbringen, mal hier und da eine RTF – Veranstaltung, um mehr als 100 km Rad am Stück zu haben und, seit die Freibäder öffneten, überhaupt seine ersten Bahnen im ungewohnten Neo.

(Schwimmende nach 11,4 km = 228 50m - Bahnen)

 

Er ging also am Freitag ohne Ironman Erfahrung und nach zwei unruhigen Nächten an den Start, wobei eine ältere Schulterverletzung das Kraulen über 11.400 m nicht erleichterte.

Beim Umstieg aufs Rad war er immer noch dem, wenn auch nicht hohen, Körpergewicht enthoben, merkte jedoch sehr schnell, dass 540 km nicht aus der „kalten Hose“ gehen. Außerdem hatte auch er nicht so wirklich realisiert, dass Ostholstein auch Steigungspassagen zu bieten hat.

(gezeichnet von 540 km Rad mit Regen, Wind und Steigungen)

 

Wir sind ein paar Runden zusammen gefahren und hier zeigte sich dann auch, dass teils heftiger Wind zusätzlich aufs Tempo und die Moral drückte. Hinzu kam noch, dass er Einen nach dem Anderen das Radfahren beenden sah und kurze Unterhaltungen wie: „na Frank, wie viel noch – 11, und du?“ Letzte!“ stärkten die Moral auch nicht.

Dann folgte Laufen und somit seine Paradedisziplin, womit er gleich dynamisch, nach nur kurzer Umzugspause, loslegte. So kamen schnell 10, 20, 30…km zusammen. Der erste Marathon war erreicht und dann wurde es schwer.

        (Dan Rob, der beste Triathlon-Betreuer der Welt)

 

Dan Rob, der von allen die ihn kennen als „der beste Betreuer weltweit“ bezeichnete ältere Niederländer hatte im Vorfeld mitgeteilt, dass er Frank über die Runden bringen würde.

  (Das RUNNERS POINT Team mit Frank - der mit dem Bier)

 

Unsere beiden RUNNERS POINT Kollegen Björn Weier, Franks Nachfolger auf dem RUNNING Mobil und Thorsten Pilgram, Storemanager aus Schwerin waren beim Laufen wechselnd an seiner Seite. Außerdem sorgte noch seine Frau für Begleitung, Verpflegung und Zuspruch und ließ sich, ihm gegenüber, ihre eigene psychische Belastung nicht anmerken.

               (ein neuer Ultra Triathlet: Frank Eickmann)

 

Lange Rede, kurzer Sinn:

Frank finishte als letzter Teilnehmer innerhalb der Maximalzeit und hatte sogar noch 3 Minuten und 39 Sekunden Zeit, um unter 58 Stunden zu bleiben.

Großes Lob. Die ganze „Running Company“ ist stolz auf ihn.

Alle Ergebnisse, viele Fotos, Impressionen, ein Gästebuch und alles rund um diese Veranstaltung findet sich unter: http://www.ostseekueste.de/triathlon/start.html

Der nächste Termin:

30. Juli bis 01. August 2010 mit Weltmeisterschaften.

RUNNERS POINT FAHNE